Die Pest in Schleswig Holstein

 

Home

Alten- und Armenstift Dänisch Nienhof

Schwedenfriedhof

Genealogische Begriffe

Die Pest in Schl.-Holst.

Scharnhagen

Bedeutung der Ortsnamen

Ende des 30järigen Krieges

Gut Borghorst

Hexenverfolgung

Anzeigen von 1802 - 1827

Der große Kreis Eutin

Geschichtliches aus Schl.-Holst.

 

Erinnerungen aus dem Urwald

     

 

Die Pest raffte Millionen hin. Der „Schwarze Tod“ in Holstein.  

Kriege und Hungersnöte brachten besonders auch im Mittelalter für die Bevölkerung stets Furcht und Leid. Keinen Unterschied zwischen Arm und Reich machte jedoch über Jahrhunderte jene Krankheit die viele Male Europa heimsuchte und Millionen hinraffte, die Pest. Die Menschen hatten eine panische Angst vor dem Schwarzen Tod, dem sie in dieser Zeit unausweichlich ausgeliefert waren. Die Mittel und We­ge, um sich vor der Pest zu schützen, nahmen zum Teil kuriose Formen an. Auch in Holstein blieb man von der Pest nicht verschont. 

Das absolute Schreckensgespenst des Mittelalters und späterer Jahrhunderte war die Pest. Jene Krankheit, die die Menschen ohne lange Vorwarnung überfiel und in Kürze in qualvollem Tod verenden ließ. „Schwarzer Tod“ nannte man die Seuche auch, weil sich die Haut aus Sauerstoffmangel düsterblau verfärbte. Übertragen wurden die Erreger durch den Rattenfloh. Waren die Menschen erst infiziert, war auch die Ansteckungsgefahr untereinander riesengroß. Der Tod trat meist in wenigen Tagen ein. Zudem litten die Kranken bei der Haut und Drüsenpest unter schmerzhaften blutig‑eitrigen Beulen, so daß sie auch "Beu-
lenpest“ genannt wurde. Noch schneller starben die Menschen an der „Lungenpest“.

1348 wütete die Pest in Mitteleuropa derart, daß innerhalb von drei Jahren 25 Millionen Menschen starben. Das war damals ein Drittel der gesamten Bevölke-
rung. Auch der Chronist Cogelius weist in seinem Eutiner Stadtgedächtnis auf die Pest hin: „Anno 1348 oder 1350 zu Zeiten des Bischofs Johann Muel ist allhier und anderer Orten die große Pest gewesen, in welcher allein in der Stadt Lübeck 9000 Menschen gestorben.“

Um sich vor der Pest zu schützen, war den Menschen jedes Mittel recht. 1348 gab ein Magister der Pariser Fakultät ein "Pestgutachten" heraus, in dem "Rege-
lungen der Sonnenbestrahlung, der Speisen, des Schlafs und der Gemütsbewegungen die Ansteckung verhindern“. Immer wieder wurde die Seuche in Europa eingeschleppt. Der Chronist Cogelius berichtet darüber, daß 1545 „die Pest in Lübeck so scharf regieret hat, daß 16.277 Menschen daran starben“.

1553 soll auch in Eutin „der Schwarze Tod“ so gewütet haben, daß „von Ehe Leuten nur drey Paar in dieser Stadt beym Leben geblieben sind.“ Was soviel heißen soll, daß in allen Häusern der Stadt, außer den drei erwähnten Paaren, nach der Pest entweder Mann oder Frau oder auch beide fehlten.  

Im Totenregister in Eutin gab Pastor Samuel Praetorius die Zahl der Toten 1639 mit 114 an. Diese Steigerung auf mehr als das Dreifache lag auch hier in der wieder einmal eingeschleppten Pest in Eutin und Meinsdorf. Die Bewohner von Gömnitz hatten in diesem Jahr eine ganz besondere List erfunden, um die bösen Pestgei-
ister von ihrem Dorf fernzuhalten. Kesselhaken, die über lange Zeit den Kessel über dem Herd gehalten und so im reinigenden Feuer gehangen hatten, wurden jetzt von Erstgeborenen um das Dorf getragen.

Der Umzug mußte unbedingt an einem dem Gotte Donar (Donnerstag) geweihten Tag stattfinden und wegen der Glückszahl drei auch an den folgenden beiden Donnerstagen wiederholt werden. Tatsächlich blieben die Gömnitzer von der Pest verschont, lediglich der Zorn des Altenkremper Pastors traf sie wegen ihrer heidni-
schen Bräuche.

Als 1710 erneut eine Pestwelle von Polen gen Westen schwappte und überall neue Opfer forderte, erreichte diese Eutin nicht. Verseuchte Gebiete wurden abgeriegelt, Grenzen überwacht und Verordnungen zum Schutz der Bevölkerung erlassen.

Diese Maßnahmen begannen zu wirken, so daß der Chronist Molde in seinem „Uthinischen Stadtgedächt-
nis“ im Jahre 1712 schreiben konnte. „Gott sei Dank, wir sind von solcher Schändlichen Seuche befreit geblieben“.

Horst Missfeldt

 

Auskunft erteilt: Horst Missfeldt     Telefon:  04504 - 1580