Gasthof Mißfeldt

 

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Abschrift der Rede zur 125jährigen Geschichte der Gastwirtschaft (Krog)

(Die Rede wurde von August Theodor Max (915) gehalten).

 

1.   Dazu möchte ich alle im Namen meiner Frau und Kinder, alle Gäste recht herzlich begrüßen,
2.   ganz besonders begrüße ich alle Mißfeldt´s, Tante Anni; Tante Erna, meine Geschwister Elisabeth,
      Anni, Hans und Herta. Onkel und Tanten, Schwägerin, Schwager, Vettern und Cousinen, Neffen
      und Nichten mit Anhang,
3.   ich begrüße Verwandte, Bekannte und Freunde,
4.   ich begrüße meine Mitarbeiter,
5.   weiter begrüße ich meine Stammgäste, Kundschaft, Nachbarn und Krusendorfer,
6.   des weiteren begrüße ich meine langjährigen Geschäftsfreunde,
7.   und zum Schluß begrüße ich die, die vergessen sind..

  

Mißfeldt´s Gasthof“.

 

Nun möchte ich ein wenig aus der Ahnengeschichte erzählen.
Unser Stammhaus ist ja in Surendorf. Die Mißfeldt-Stelle wo jetzt Floto wohnt.
Unsere Ahnentafel läßt sich bis 1681 zurückverfolgen.
(Anmerkung von Horst Missfeldt: Jetzt können wir zurück bis 1550 gehen).

Unser jetziger Betrieb ist ja ursprünglich eine Grimm-Stelle gewesen, wo wir 3 Generationen aus dem Kirchenbuch nachweisen können. Die 3 letzten Grimm-Generationen waren alle 3 Wirtsleute in Krusendorf. Die in dem alten Niedersachsenhaus ihre Land- und Gaststätte betrieben haben. In der großen Diele wurde gekocht, Bier verkauft und von hieraus wurde auch das Vie versorgt. Wie auf dem alten Bild zu sehen ist, wurde im Sommer viel draußen gegessen.

Johann Heinrich Christian Grimm und seine Frau vererbten ihren Besitz an ihrem Sohn Claus Detlef Grimm und dessen Frau Elisabeth Kristine geborene Krabbenhöft aus Noer. Da diese Ehe kinderlos blieb, wurde ein Kind von ihrer Schwester Ellen Marie Lerche geb. Krabbenhöft (427) aus Noer als Nachfolgerin auserwählt. Diese war Elisabeth Sophie Lerche (184). Wie wir aus den alten Unterlagen ersehen können, mußte Claus Detlef Grimm mit 66 Jahren aus gesundheitlichen Gründen den Hof verpachten.

Am 1.1.1865 pachtete Heinrich Detlef Mißfeldt (183) die Land- und Gaststätte im Alter von 18 Jahren.

Claus Detlef Grimm starb 1870 und seine Frau Elisabeth Kristine 1888.

Am 11. Oktober 1872 heiratete Heinrich Detlef Mißfeldt (183) die angenommene Hoferbin Elisabeth Sophia geb. Lerche (184).

Aus dieser Ehe gingen 9 Kinder hervor, wovon die beiden Zwillinge früh starben. Der älteste Sohn August Christian Friedrich Mißfeldt (681) geboren am 23.12.1872 in Krusendorf wurde als Erbe eingesetzt. Er heiratete am 5. Juli 1887 in Noer die Anna Sophia Dorothea geb. Laß (682) aus Fahrenhorst.

Bevor er den Hof in Krusendorf übernahm, führte er eine kleine Landstelle in Stubbendorf (Heisch). Da dieses nicht ausreichte für den Lebensunterhalt, fuhr er noch nebenbei mit Pferd und Wagen Brot aus.

Da sein Vater Heinrich Detlef Mißfeldt (183) den Betrieb hier aus Altersgründen nicht mehr führen wollte, übernahm August Christian Friedrich Mißfeldt (681) und Frau Anna Sophia Dorothea geb. Laß (682) die Land- und Gaststätte in Krusendorf.

Seine Eltern zogen dann zum Heisch, wo Heinrich Detlef Mißfeldt (183) am 13. März 1918 verstarb.

Seine Frau Elisabeth Sophia (Elise) geb. Lerche (184) zog nach Krusendorf zurück, wo sie am 29. Juli 1921 verstarb.

Aus der Ehe von August Christian Friedrich (681) und Anna Sophia Dorothea geb. Laß (682) gingen 10 Kinder hervor (Hans Mißfeldt ist als Kleinkind verstorben), wo heute 2 anwesend sind. Tante Anni (699) und Tante Erna (683).

Wieder wurde der Hof an den ältesten Sohn Heinrich (Heine) Mißfeldt (888), geboren am 2.2.1898 in Stubbendorf, vererbt.

Am 26. März 1926 heiratete er Marie (Miete) Dorothea Friedereike geb. Stöterau (914) aus Gammelby, die auch aus einer Land- und Gaststätte stammte. Aus dieser Ehe gingen 5 Kinder hervor.

Am 14. Februar 1962 starb mein Vater. Meine Mutter starb am 13. April 1971.

Am 1. April 1962 übernahmen meine Frau Helga Katharina Gertrud geb. Beutel (916) und ich den Betrieb.

Dieses so zur Geschichte der Mißfeldt´s in Krusendorf.

(Anmerkung von Horst Missfeldt: Die Nummern hinter den Namen sind aus der Ahnenliste).

  

Die Gastwirtschaft.

 Jetzt möchte ich noch ein wenig aus der Geschichte der Gastwirtschaft erzählen.

Wie alt die Gaststätte wirklich ist, ist aus den Unterlagen nicht zu ersehen. Aber soweit wir beweisen können bin ich der 7. Gastwirt hier im Orte. Auf den beiden Bildern der Gaststätte kann man deutlich sehen, daß im Sommer viel draußen gesessen wurde und Bier getrunken wurde. Aus diesem Grund heraus wurde ein Biergarten angelegt, der sich bis zum 2. Weltkrieg behaupten konnte. Früher war es Gang und Gebe das man sich sein Brot mit in den Krog brachte, aber sich ein Bier dazu bestellte.

Die Krusendorfer Dorffeste wurden vor dem Saalbau auf der Diele abgehalten. Bei Freibier und Korn spielte die Musik bis in den frühen Morgenstunden.

1937 wurde der Saal eingeweiht. Ab jetzt wurde mehr gefeiert. Tanzen, Maskerade, Gildefeste, Kinderfeste, Ringreiten u.s.w.

Von 1940 bis 1946 stand der Saal der Wehrmacht und den Flüchtlingen zur Verfügung. Nach dem Krieg war der Nachholbedarf an Vergnügungen groß. Zwei mal in der Woche Tanz und Kino u.s.w.

Nun begann auch die Zeit mit den Sommergästen, Fremdenzimmer, Vermietung und Essen in der Wirtschaft.

Seit der Gründung der Brauerei „Zur Eiche“, Kiel im Jahre 1871 verkaufen wir „Eiche-Bier“. Doch im Juni 1989 wurde dieses Bier eingestellt. Diese Tatsache ist für uns und unseren Kunden ein harter Schlag gewesen. Aber eine Einigkeit wurde mit der „Kindel-Brauerei“ gefunden.

Hiermit möchte ich meinem Werke schließen. 
 

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Zeitungsartikel der Kieler Nachrichten vom 30. Dezember 1989

Ein Kröger damals hatte viele Jobs

Der Krusendorfer Krug wird seit 125 Jahren

von der Familie Mißfeldt bewirtschaftet.

 

Krusendorf (crd).

Posthalter, Kaufmann, Landwirt – ein Kröger hatte in damaligen Zeiten so manche „Nebenbeschäftigung“. Auch in Krusendorf ging die Funktion des Gastwirtes oft weit über das Ausschenken von Bier hinaus. So vielfältig die Arbeit auch immer war, ein Name blieb über vier Generationen hinweg bestehen: "Mißfeldt".

Seit nunmehr 125 Jahren wird der Krusendorfer Krug von ein und derselben Familie bewirtschaftet.

Dabei liegen die Anfänge des Gasthofes im Dunkeln. Das Krusendorfer Kirchenbuch weist einen Johann Hinrich Christian Grimm als „zweiten Kröger“ aus. Seit 1795 ist es nach Angaben des jetzigen Gastwirts, August Mißfeldt, nachweisbar, daß es im Dorf einen Krug gab. „Aber er wird noch älter sein“. 1865 pachtete Urgroßvater Heinrich Mißfeldt von Grimms Sohn Claus Detlev den Gasthof, den er wenige Jahre später übernahm. Von da an blieb der Hof in der Familie und wurde jeweils an den ältesten Sohn vererbt.

Das Gasthaus, wie es heute in Krusendorf steht, ist noch relativ jung. An seiner Stelle stand damals etwas nach hinten versetzt ein altes Niedersachsenhaus, in dem auch die Tiere mit untergebracht waren. „Mitten in der Diele war die Kneipe drin“, weiß Mißfeldt. Am 4. Februar 1909 wurde das Gebäude ein Raub der Flammen. Die auf dem Heuboden umgekippte Petroleumslampe eines unvorsichtigen Stallburschen löste den Brand aus, der das Haus bis auf die Grundmauern vernichtete.

Die Gutsherrschaft von Noer ließ noch im gleichen Jahr den Krug an der heutigen Stelle wieder aufbauen. Dort, wo das alte Haus gestanden hatte, entstand ein Biergarten, in dem bis zum Zweiten Weltkrieg die Gäste unter freiem Himmel den Gerstensaft genossen. Und bei Festlichkeiten, so erinnert sich Mißfeldt, wurden zum Tanz einfache Bretter in der Diele des Bauernhofes ausgelegt. Der Festsaal wurde erst 1936 gebaut.

Großvater Mißfeldt führte im Krug bis in die zwanziger Jahre hinein auch einen Kaufmannsladen. Salz, Grütze, Seife und andere Dinge des tägliche Bedarfs waren zu haben. Außerdem befand sich hier das einzige Telefon im Dorf. Die notwendige Bewachung des Telefons ersparte dem Kröger den Einsatz im Ersten Weltkrieg. Sein Sohn war später für einige Jahre auch Posthalter. „Bis Surendorf mußte er die Post ausliefern im Winter mit dem Pferd, im Sommer mit dem Fahrrad“, erzählt Mißfeldt. Dazu war natürlich – wie heute noch – die zum Gasthof gehörende Landwirtschaft zu betreuen.

In den 50er Jahren wurde der Krug auch zum Kino. Wöchentlich flimmerten hier Filme über die Leinwand und fanden außerdem Tanzvergnügen statt.

Haben sich die Zeiten inzwischen auch geändert, ist der Gasthof doch seit 125 Jahren mit dem Namen Mißfeldt verbunden. Grund genug, am 2. Januar, 11 Uhr, Jubiläum zu feiern.

Die weitere Nachfolge ist übrigens gesichert: Der 29jährige Heinrich Mißfeldt hat bereits die Landwirtschaft übernommen.

 

Auskunft erteilt:  Horst Missfeldt, Telefon 04504 - 1580