Schwedenfriedhof

 

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Alten- und Armenstift Dänisch Nienhof

Schwedenfriedhof

Genealogische Begriffe

Die Pest in Schl.-Holst.

Der Ort Scharnhagen

Bedeutung der Ortsnamen

Ende des 30järigen Krieges

Gut Borghorst

Hexenverfolgung

Anzeigen von 1802 - 1827

Der große Kreis Eutin

Geschichtliches aus Schl.-Holst.

 

Erinnerungen aus dem Urwald

     

 

Schwedenfriedhof in Schwedeneck

 

Durch Überlieferung hat sich bis heute die Kenntnis vom Schwedenfriedhof und die genaue Lage des Platzes über Jahrhunderte erhalten. Er liegt direkt vor der Abbruchküste von Dänisch Nienhof im Wald hinter der Wiese des Berliner Lagers. Bei dem großen Findling neben dem Waldpfad befand sich der Eingang zum Friedhof. Zu Anfang unseres Jahrhunderts war er noch mit einem Eisengitter umzäunt Unter den Gutsbesitzern wurde der Platz geschont. Er wurde zuletzt überpflügt aber er durfte nicht aufgeforstet werden. Dieses Wissen ging mit der Gutsauflösung 1928 verloren. Eine erste Aufforstung erfolgte in den 50er Jah-
ren, nach Borkenkäferbefall eine zweite Aufforstung in den 80er Jahren.

In einer alten Flurkarte von 1839 ist der freie Platz im Walde ausgespart, bei der preußischen Landesaufnahme 1875 wurde er ebenfalls in die Karte aufgenommen. Nach dieser genauen Landvermessung war es ein großer Platz von etwa 50 Meter Länge und 30 Meter Breite.

In der Nienhofer Schule lernten die Kinder, daß der Schwedenfriedhof aus dem Dreißigjährigen Krieg stamme. Der Zug der Schweden ging jedoch 1644 auf der alten Heerstraße über Gettorf und an unserem Gebiet vorbei. Kampfhandlungen mit vielen Toten fanden hier nicht statt.

lm „Großen Nordischen Krieg" standen am 24. April 1715 in einer Seeschlacht auf der „Kolberger Heide“ bei Fehmarn sechs schwedische Kriegsschiffe der Übermacht von elf dänischen Kriegsschiffen gegenüber. In der Nacht versuchten die Schweden, über den Großen Belt zu entkommen, aber der Wind stand ihnen entgegen. So suchten sie Schutz in der Kieler Förde Am anderen Morgen wurden sie dort in der Strander Bucht von den Dänen aufgebracht. Die Schweden warfen ihre Kanonen über Bord und schossen ihre Schiffe leck, damit sie den Feinden nicht in die Hände fielen. Sie sanken jedoch nicht auf dem flachen Strand, nur eines der Schiffe konnte später nicht gehoben werden. Einige der Kanonen wurden in diesem Jahrhundert gefunden.

Die Dänen machten 1.626 Gefangene, die auf Kiel, Rendsburg und Eckernförde verteilt wurden. Nach einem Originalbericht im Reichsarchiv in Kopenhagen vermißte der Oberkammandierende der Schweden, Graf Wachtmeister, 353 Leute seiner Besat-
zung. Das waren die im Kampf gefallenen Toten, die sich auf den Schiffen befanden. Es war schon seinerzeit nicht üblich ge- fallene Soldaten einfach über Bord zu werfen. Sie wurden üblicherweise in die Heimat zurückgebracht. Die Dänen hatten einen Verlust von 65 Toten. Sie bekamen Order vom König mit ihren Schiffen in der Förde zu bleiben, da er selbst zu einer Visite vorbeikommen wollte

Über 400 Tote mußten unter die Erde, wofür die Dänen als Siegermacht verantwortlich waren. Nach der alten Flurkarte wird das Gebiet westlich von Dänisch Nienhof als „Sandrücken" bezeichnet. Am Abbruch der Steilküste tritt hier unter einer dünnen Humusschicht der Sand in breiter Front hervor. Es lag dort ehemals eine ungenutzte Heide, die anstelle kultivierten Ackerlandes zur Bestattung der Toten genutzt werden konnte. Der Wald wurde später um den Friedhof herum aufgeforstet; das Alter der Randbäume beträgt etwa 200 Jahre.

Brennende schwedische Schiffe vor Strande, der Sieg über die Schweden mit einer Unmenge Gefangener, ein Soldatenfriedhof mit Hunderten von Schweden außergewöhnliche Ereignisse, die im Sprachgebrauch der Menschen für dieses Gebiet einen Namen prägten:

Schwedeneck !

Der Platz ist inzwischen unter Denkmalschutz gestellt. Private Nachgrabungen sind verboten! Das Landesamt in Schleswig ist durch viele Notgrabungen belastet und kann aus Personal-, Zeit und Geldmangel keine Ausgrabungen vornehmen. Erst wenn der Steilküstenabbruch den unberührten Platz erreicht, wird eine Notgrabung notwendig. Es ist fraglich, was sich in dem sandigen Grund noch erhalten hat. Waffen waren viel zu wertvoll, um sie Soldaten mit ins Grab zu geben. Vielleicht finden sich noch einige Bleikugeln.

 

Auskunft erteilt:  Horst Missfeldt, Telefon 04504 - 1580