Stolpe und Plate

 

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Das Dorf Stolpe.

Die Geschichte des Dorfes „Stolpe“ reicht sehr weit zurück. Aus der jüngeren Steinzeit fand man Tonscherben mit sehr interessanten Mustern. Aus der  Bronzezeit wurden Gräber mit Kurzschwertern entdeckt. Die reich verzierten Griffe sind noch erhalten. Am Bocksberg, nördlich von Stolpe, stieß man auf einem Felsen, unter dem man zwei goldene Schalen fand. In der einen lag ein goldener Armreif.

Zur Zeit Karls des Großen soll entlang des Ostrandes des Schwentinefeldes (bei Bornhöved) ein Limes gewesen sein, aus Erdwällen und Knicks bestehend, der die Sachsen vor den Wenden schützen sollte. Dieser Limes setzte sich fort am Bornhöveder See, dem Belauer und dem Stolper See, die die alte Schwentine verbindet, bis an die Kieler Bucht.

„Stolpe“ soll ein wendischer Name sein. „Stolpe“ = Säule, Pfeiler, Pfahl im Wasser, zum Fischfang dienend, abgeleitet.

Es gibt aber auch noch eine andere Deutung, die man dann gelten lassen kann, wenn man an den Limes denkt. Sie übersetzt den Namen Stolpe mit Turm, Mauer oder Palisadenzaun.

Das der Name wendischen Ursprungs ist, führen einige Forscher daraufhin zurück, daß der Grenzwall durch wendisches Gebiet geführt wurde. Es besteht aber auch die Möglichkeit, daß die Besiedlung dieses Gebietes durch die Wenden erst in der nachkarolingischen Zeit geschah und daß das „Schwentinefeld“ noch bis in das 9. Jahrhundert hinein von den Holsten gehalten wurde. Man kann dies aber nicht mit Sicherheit sagen, da man noch nicht das Alter der Orte wendischen Ursprungs (außer Stolpe gibt es noch Belau, Kalübbe und Perdöl) feststellen kann.

Zum ersten Mal wird „Stolpe“ 1316 bei der Landesteilung erwähnt. 1325 stellte Graf Gerhard der Große „by der Vorde to Stolpe“ eine Urkunde aus.

1815 hatte Obergerichtsadvokat Scheel in Itzehoe das Dorf zusammen mit Wankendorf erworben. Nach seinem Konkurs kaufte es 1823 Senator Jenisch aus Hamburg, von dem es seine Töchter, Witwe des Konsuls Rücker-Perdöl und Witwe des Minister-Residenten Godeffroy auf Lehnkuhlen erbten. Ab 1823 wurden die Bauern Erbpächter und ab 1880 Eigentümer.

Stolpe war ein Dorf mit Leibeigenen. Es gehörte zum Gute „Perdöl“, das wiederum zum Gute „Depenau“ gehörte, deren Besitzer als absolute Herren, manche sogar als grausam, bekannt waren.
So steht in der „Chronik des Kirchspiels Bornhövede“ folgendes:

Im Jahre 1678 wurden vier Personen aus dem Kirchspiel Bornhövede zu Depenau von dem Notarius Petzold aus Kiel in Gegenwart des Rittmeisters J.Brockdorff des Pastors Schumann zu Bornhövede u.a. verhört.

In diesem Verhör machten die Angeklagten – (wohl in der Furcht vor der Folter) – folgende Aussagen. Ihnen sei der Teufel erschienen, dem einen als Hund, anderen als ein Mann mit roten Hosen. Allen hatte er angeblich ein Zeichen beigebracht, woran sie zu erkennen sein sollten.

Jedem der Angeklagten wurden 70 Fragen vorgelegt. Es wurde den Angeklagten ( es waren Trienke Pahlen von Wankendorf, Ove Fresen von Stolpe und Antje Mißfeldt von Horst. Hans Lille, der im Gefängnis gestorben war, wurde vom Schinder begraben) ein Verteidiger bewilligt, Michael Cornelissen, dessen Verteidigung eigentlich auf nichts hinauslief. Nach seinen Worten war er selbst von der Schuld der „Hexen“ überzeugt So folgte denn auch das nachstehende Todesurteil:
 

Urtheil

In peinlichen Sachen Fiscalis, peinlichen Anklägers an einem, entgegen und wider Trienke Pahlen, peinlich Beklagten am andern Theile, erkennen und sprechen wir verordnete peinliche Richter und Beisitzer, im Namen des Wohlgeboren Herren, Herren Joachim Brocktorrfs, Erbherren auf Depenau, auf Klage, Antwort und alles Vorbringen, auf nothdürftige Erfahr- und Erfindung, so desselben laut Kaiser Karl V. und der heil. Reichsordnung geschehen, auf eingeholten Rath der Rechtsgelehrten; für Recht, daß, weil Angeklagte, wegen ihres Abfalles von dem lieben Gott, gemachten Verbindniß mit dem leidigen Satan, begangene und unmenschliche Unzucht, ihr selbst zu wohlverdienter Strafe, andern zu einem Exempel und Abscheu, mit dem Feuer vom Leben zu Tode abzustrafen und hinzurichten sei. Als wir sie zu verdammen. – daß dieses Urtheil denen, uns zugesandten

Actis und den peinlichen Rechten gemäß sei, bekennen wir Decanus senior Doctores der Juristen Facultät bei der Hochfürstenlichen Universität daselben.

Urkundlich unter unserer Facultät hineben gedruckten Insiegels.

Kiel, den 29. November 1678

Drei der Verurteilten wurden am 3. Dezember 1678 auf dem „Langen Berge“ verbrannt. Im Kirchenbuch steht hinter der Eintragung ihres Todes:

                                                                        “Die ihrer Aussage nach auf dem Blocksberge gewesen“.

Im „alten“ Bornhöveder Kirchenbuch (1655 – 1689) ist einer der ersten Einträge ein Hanss Missfeldten (5500) von der Horst, der vor 1655 geboren sein muß, denn im Kirchenbuch steht:

              Am 11.1.1676 lässt Hanss Missfeldten von der Horst seinen Sohn Hinrich taufen.

Die „Hexe“ Antje Mißfeldt (9314) von Horst muß die Schwester von Hanss gewesen sein.
Der Todestag von Hanss Missfeldten fällt wahrscheinlich in die Zeitspanne 1690 – 1711. Er heiratete am 16. Oktober 1670 in Stolpe eine Marlenke Löndorfen (5501), (auch vor 1655 geboren). Der Eintrag lautet:

                              getraut am 16.10.1670 Hanss Missfeldten von der Horst und Malenke Löndorfen bei Wankendorf
.

Sie hatten 7 Kinder:

                                      Otto (5825) geb. 08.10.1671, Hinrich (5502) geb. 11.01.1676, Dorthe (5826) geb. 26.12.1676,
           Grete (5827) geb. 29.01.1679, Malenke (5828) geb. 23.10.1681, Hans (5829) geb. 03.05.1685, Behrend (5830) geb. 02.06.1689

Zwei der Kinder von Hanss und Marlenke – nämlich Hans und Malenke lebten auf dem Gute „Horst.

Von Otto, Dorte, Grete und Behrend habe ich keine Daten.

Hinrich Missfeldt (5502) geboren am 11.1.1676, verst. 21.9.1721 hat zwei mal geheiratet.

1. Ehe mit N.N. (5819). Aus dieser Ehe ging einen Sohn – Marx (5520) hervor.
2. Ehe mit Gretje Löhndorf (5503) verstorben am 2.4.1740. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor:

Claus (5504) und Johann (5521)

 

und hier teilt sich die Linie.

Claus Missfeldt (5504) geb. 1711 verst. 11.4.1781, heiratet am 17.11.1748 die Anna Catharina Theden (5505) geb. 15.3.1724 verst. 1.2.1798. Sie haben 6 Kinder:

Catharine Margarethe (5852), Heinrich (5844),
Claus (Hans) 5506), Margarethe Dorothea (5855),
Anna Catharina (5851) und Anna Hedewig (5853)

Von Catharine, Margarethe Dorothea, Anna Catharina und Anna Hedewig habe ich keine Daten.

Heinrich Missfeldt (5844) heiratet die Anna Magdalene Duggen (5844) und aus dieser Ehe gingen 4 Kinder hervor.

Claus (Hans) Missfeldt (5506) heiratet die Magdalena Elisabeth Löhndorff (5507). Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor.

Johann Missfeldt (5521) geb. 25.5.1722 verst. 16.9.1787 heiratet am 18.11.1753 die Catharina Sieck (5865) geb. 2.9.1725 verst. 19.9.1774. Aus dieser Ehe gingen 4 Kinder hervor:

Catharina Margarethe (5866), Hinrich (5867),
Dorothea (5869) und Anne (5871)

Von Catharina Margarethe, Dorothea und Anne habe ich keine Daten.

Hinrich Missfeldt (5867) geb. 22.4.1757 heiratet am 5.11.1786 die Magdalena Dorothea Duggen (5868) geb. 7.3.1759.
Aus dieser Ehe gingen 5 Kinder hervor:

Catharina Dorothea (5873), Antje (5874) Magdalena Elisabeth (5875)
Anna Margaretha (5876) und Elsabe (5877).

Das Dorf Horst wurde zugunsten eines neuen Meierhofes in 2 Etappen „niedergelegt“. 1688 zwei Hufen und 1707 drei Hufen.

Neben dem „Meierhof“ wurden noch eine oder zwei Häuserstellen belassen bzw. geschaffen.

Der ehemalige Besitzer von „Deutsch-Nienhof“, Bendix Blome, war auch der Besitzer von den Gütern „Dänisch-Nienhof“, „Depenau“ und „Kaltenhof“.

Vom „Gut Kaltenhof“ hat Bendix Blome 2 Mißfeldts mitgenommen und in „Deutsch-Nienhof“ angesiedelt. Es handelt sich um Rolf (1392) und Jürgen Mißfeldt (20503). Rolf Mißfeldt war Bauknecht auf „Gut Kaltenhof“ und lebte um ca. 1650 – 1690. (Im Buch über Deutsch-Nienhof von Hedemann-Heespen, Band 1, Seite 154 von 1906).

Am 30.6.1999 hatte Stolpe 1.259 Einwohner und Wankendorf 2.759 Einwohner.



 

Plate – Sukow.

Das Dorf „Plate“ liegt etwa 10 Km südöstlich von Schwerin, die Hauptstadt von „Mecklenburg-Vorpommern“.
Plate selbst ist ein sogenanntes „Reihendorf“, also eine rein deutsche Siedlung. Es liegt an der „Stör“ (früher Fluß, im vorigen Jahrhundert kanalisiert), die die Verbindung zwischen der Elbe und dem Schweriner See bildet.

Die umliegenden Dörfer 1. „Consrade“ (1260 – 1270 Conradesrothe, 1371 Condeirode genannt) zählte im 13. und 14. Jahrhundert zu den Besitzungen des holsteinischen Klosters Reinfeld, 2. „Pechatel“ und 3. „Banzkow“ sind ausgesprochene wendische Siedlungen.

Der Ort „Plate“ wird am 24. Oktober 1191 zum ersten Mal urkundlich als „Plote“ erwähnt. In einer Urkunde des Papstes Coelestin des III wird gesagt, daß die Einnahmen des Schiffahrtzolls in „Plote“ zum Einkauf von Kerzen für die Schweriner Kirche dienen sollten (ad luminasia aclesie sulvinemes).

Im 14. Und wahrscheinlich schon im 13. Und 12. Jahrhundert ist Plate ein fester Platz z.B. im Kriege des Jahres 1323, als der „Graf Heinrich von Schwerin“ auf Seiten des mächtigen „Fürsten Heinrichs des Löwen“ stand, bestürmt und Mitte Juni 1326 eingenommen.

Als Feste wird Plate mit Schwerin und Redefin im Bündnis- und Erbverbrüderungsvertrag vom 1.12.1358 genannt.

Von einem Burglehen in Plate hören wir noch im Jahre 1506. Damals „belehen“ die Herzöge von Schwerin ihren Rentmeister Klaus Trufmann und des2sen Leibeserben mit dem „kleinen Zoll“ der Fischereigerechtigkeit und zwei Aalwehren.

1520 hatte das Dorf Plate 102 Einwohner.

20 Jahre nach dem 30-jährigen Krieg, 1669, waren es nur noch 44 Einwohner. 1907 waren es dann wieder 827 und jetzt sind es rund 2.000 Einwohner.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                            Johann Christian Friedrich Missfeldt (8056), geb. 01.03.1847 und
                                                                           Sophie Marie Katharina Elisabeth geb. Dahl (8057), geb. 23.02.1854
                                                                           Kinder:
                                                                                   
Christian Friedrich August Karl Ludwig Johann (8062)
                                                                                    Frieda Johanna Sophie Luise (8060)
                                                                                    August Johann Ludwig (8059)
                                                                                   
Paul Friedrich Johann (8058)


Mit zu den ältesten Namen in Plate zählen die Familien „Pommerening“ und „Mißfeldt“.

Aus den im Landesarchiv Schwerin vorliegenden Unterlagen ist abzuleiten, daß das Geschlecht der Mißfeldts seit mindestens 1600 in Plate ansässig ist und seit mehreren hundert Jahren (mit Unterbrechungen) bis zum Jahre 1953 die Hufe I, eine Bauernstelle mit rund 50 ha, bewirtschafteten.

Nach Auswertung der bisher eingesehenen Unterlagen im Landesarchiv Schwerin ergibt sich,
daß der Stamm Mißfeldt aus Plate-Sukow seinen Ursprung im Holsteinischen hat.

In einem Schreiben der Witwe Dorothea Mißfeldten an den Großherzog vom 7. Februar 1766 heißt es u.a.
„Auch haben wir diese Stätte mit Vieh und Fahrniß, auch Hausgerät reichlich aus unseren eigenen Mitteln besetzet, und meines Mannes Großeltern haben das Haus darauf erbauet, nachdem sie aus Holstein nach Mecklenburg gezogen, daß diese Stelle also lange Zeit hier eine Mißfeldten Stelle gewesen ist.“

Außerdem wird in einem Actum des herzoglichen Amtes vom 8. April 1766 die Aussage eines Hans Wilke, 74 Jahre alt, wie folgt aufgeführt:

„Ihm sei ganz wohl bekannt, daß vor vielen Jahren ein alter Mann Namens Rudeloph Misfeld, ein freier Mann aus dem Holsteinisch bürtig, als der Eltern-Vater des verstorbenen Johann Misfeldt zu Plate..“.

Zum anderen wird darauf verwiesen, daß das Dorf Consrade, jetzt Ortsteil von Plate, im 13. Und 14. Jahrhundert zu den Besitzungen des holsteinischen Klosters Reinfeld gehörte.

Es ist uns bisher gelungen, die Mißfeldtsche Linie in Plate und damit verbunden auch in Sukow namentlich und urkundlich zurück bis zum 30-jährigen Krieg zu belegen.

In ein Protokoll der herzoglichen Verwaltung vom 28. Oktober 1628 über die Zustände in den Gemeinden des Amtes Schwerin im zehnten Kriegsjahr heißt es über Plate:

 „Darin wohnen 16 Hufner und 1 Koßate, darunter auch Roloff Mißfeldt“.

Ähnlich wie im Reiterdienst bzw. Landschatz von Schleswig-Holstein (im Landesarchiv Schleswig) sind in dem Amtsbuch der herzoglichen Kammer zu Schwerin 1655 für Roloff Mißfeldt, dem Käter, aufgeführt:
Hat also ½ Hufe Landes
Kann säen                 3 Scheffel Roggen
                                 2 Scheffel Gersten
                                 2 Scheffel Buchweizen
                                 2 Scheffel Habern
Kann 3 Fuder Heumeß gewinnen, hat weder Hopfen- noch Kohlgarten“.

„Trotzdem muß er an den Landesherren zahlen:
                                 1 Gulden Pacht
                                 8 Schilling Ablager – für die Jagd an das Amt“.

Übte der Herzog aber die Jagd persönlich aus, dann zahlten die Dörfler nicht an das Amt. Dann klagte wohl der Amtsschreiber: „Dat Ablager tho Bansecowe wird genehmlicht durch de Jegers upgefrethen“.

12 Schilling an statt eines halben Schneidelschweines (
Schneidelschwein mußte für die freie Mast im Wald gegeben werden).

                                 ½ Pachtlamp
                                 6 Scheffel Pacht Habern
                                 1 Rauch Huhn
                                 8 Pacht Hühner
                                 5 Oster Eier

Der Pastor wollte auch leben:
                                 ½ Scheffel Rocken
                                 Opfergeld quartali 1 Schilling
                                 Zu Weihnachten 6 Schilling
                                 10 Eier
dazu der Küster:
                                 1 Rocken (Drömbt)
                                 1 Wurst
                                 1 Brodt
                                 5 Eier

Aus dem Amtsbuch des Amtes Schwerin von 1656 kann man die verheerenden Folgen des Krieges auf Plate ersehen. „13 Stellen sind wüst“
.

Es heißt u.a.:
               „In Plate wohnen 1 Schulze, 13 Bauersleute und 3 Käter.
               Dieser Untertanen Namen sind folgende:
                                                           1.    Klaus Pommereningk, Freischulze.
                                                          13.  Roloff Mißfeldt, Käter
               Dieser Katen ist vor undenklichen Jahren auf Freiheit gebauet
              Worden. Hernacher aber ist Hans Iden Acker unter Peter Dehnen
               Nr. 4, Claus Bötticher Nr. 15 und dieser Käterfreiheit verteilet
               und also zum Käter gemacht worden.“

 

 

Auskunft erteilt:  Horst Missfeldt, Telefon 04504 - 1580